Natürlich könnte man sich auch wahllos mit diesen Begrifflichkeiten beim nächsten Talk schmücken. Aber viel heiße Luft und nichts dahinter: Fällt spätestens bei genaueren Nachfragen des Gegenübers auf. Deswegen – und weil wir eben einfach neugierig sind – haben wir mal beim Fachmann nachgefragt. Oder in dem Fall: Bei der Fachfrau. Architektin Jasmin Ostermeier aus München. Denn: Was bedeutet nachhaltiges Bauen überhaupt? Was muss dafür gegeben sein? Was hat die Dämmung damit zu tun? Und überhaupt und sowieso: Wie passen die Wärmepumpen vom Technologiemarktführer Heliotherm da rein? Wir haben gefragt. Sie hat geantwortet.

 

Frage: Was bedeutet nachhaltiges Bauen überhaupt? Welche Standards müssen erfüllt werden und wie erreicht man diese?

Ostermeier: Nachhaltiges Bauen ist ein sehr umfangreicher Begriff und je nach Bauvorhaben unterschiedlich zu definieren. Ein großer Part ist natürlich die Energieversorgung aus erneuerbaren Energien und Baustoffen mit einem möglichst geringen ökologischen Fußabdruck. Da kommt zum Beispiel Holz in Frage, weil es ein nachwachsender Rohstoff ist. Im Gegensatz dazu steht Beton mit einem hohen Energiebedarf bei Herstellung und Entsorgung. Bei den Baustoffen darf man aber auch den Zeitfaktor nicht außen vor lassen! Trotz, oder gerade wegen des hohen Energiebedarfs ist Beton aber besonders langlebig. Was ein Beispiel für nachhaltiges Bauen ist: Hochhäuser aus Holz. Die sind nur möglich, wenn man gewisse Elemente in Beton ausführt. Nicht jedes Teil des Gebäudes ist somit super nachhaltig, aber es ist in Summe ein nachhaltiges Konzept. Ein Hochhaus bedeutet nämlich auch wenig Flächenverbrauch und das wirkt dem zunehmenden Flächenfraß entgegen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist natürlich auch der Entwurf. Einerseits ist es super, wenn man das Gebäude begrünen kann – das verbessert das Mikroklima. Und andererseits kann der Lebenszyklus eines Hauses verlängert werden, indem das Haus in mehrere kleine Einheiten aufgeteilt wird. Und das hat on top auch noch eine soziale Komponente mit Gärten und Flächen, die gemeinsam genutzt werden können. Dann kommen da noch Mobilitätskonzepte dazu: Carsharing, E-Tankstellen in den Tiefgaragen oder E-Roller für die Gemeinschaft. In Österreich gibt es dafür eine ÖGNI Zertifizierung nach unterschiedlichen Qualitätsstufen der DGNB in Platin, Gold, Silber und Bronze. 

 

Frage: Passivhaus, Nullenergiehaus, energieautarkes Haus. Wörter, die man öfters mal wo hört. Aber was bedeutet das überhaupt? 

Ostermeier: Viele Begriffe, die im Grunde alle so ziemlich das Gleiche beschreiben. Es geht einfach darum, dass einerseits der Energiebedarf des Hauses so gering wie möglich gehalten wird. Das kann man durch Dämmung und Kubatur erreichen. Sogar die optimale Ausrichtung nach Himmelsrichtungen spielt da eine Rolle! Und andererseits wird natürlich geschaut, dass möglichst viel Energie vom Haus selbst erzeugt wird. Da kommen in erster Linie die Erdwärmepumpen in´s Spiel und natürlich auch Photovoltaik und Solarenergie. Je nach geographischer Lage und Systemwahl bist du damit dann mehr oder weniger unabhängig von externen Energieversorgern wie zum Beispiel Fernwärme, Gas, Öl, Strom etc. Und das ist schon ziemlich cool.

 

Frage: Energieeffizient bauen bedeutet also, dass ein Haus die Wärme gut speichern kann. Gretchenfrage: Wenn es im Winter besonders warm sein sollte, wie kann es dann im Sommer kühl sein?

Ostermeier: Energieeffizient bauen bedeutet, dass man die Wärmeleitfähigkeit der Außenhülle herabsetzt. Es geht also auch immer um den Faktor Zeit. Die Dämmung verlangsamt nur die Wärmeübertragung in beide Richtungen in dem Maße, dass man im Winter weniger heizen und im Sommer nicht so stark kühlen muss. Aber bei fünf Monaten mit über 40 Grad kann die Dämmung alleine auch nicht mehr viel ausrichten. Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten, die man nutzen kann. Das kann man sich in der Tierwelt ganz toll abschauen. Beispielsweise bei den Pinguinen. Ihr Prinzip: Wenig Hüllfläche. Eine Kugel ist besser, als irgendwas mit vielen Ecken. Da geht es um kleine Hüllflächen im Vergleich zu großem Volumen. Besagt auch die Bergmannsche Regel. Man kann sich aber auch an den Wüstenfüchsen mit ihren großen Ohren orientieren – das wäre dann die Allen´sche Regel. Aber genug von Regeln. Im Klartext: Die Hüllfläche macht schon einen großen Unterschied. Aber ich kann auch ein eigenes Mikroklima mit begrünten Innenhöfen schaffen. Windtürme sind auch eine tolle Option: Die sorgen für Durchzug. Und natürlich spielt auch hier die optimale Ausrichtung nach den Himmelsrichtungen eine große Rolle. Nach Süden sollten die Fenster eher klein sein und die großen Verglasungen in Richtung Norden zeigen. Bei großen Fenstern nach Osten oder Westen kann man zwar wunderbar den Sonnenaufgang und -untergang bewundern, aber da würde energietechnisch betrachtet ein Vordach Sinn machen. So müsste die Sonne schon sehr tief stehen, um voll rein zu strahlen.

 

Frage: Stichwort: Dämmung. Wie hängt sie mit der Energieeffizienz zusammen?

Ostermeier: Jetzt wird es kurz physikalisch. Denn ausschlaggebend für die Wärmeübertragung ist die Rohdichte eines Stoffes. Je dichter ein Stoff ist, umso leichter können die Moleküle die Wärme an das benachbarte Molekül abgeben. Metall hat eine sehr gute Wärmeleitfähigkeit, Holz eine schlechte Wärmeleitfähigkeit. Denn durch die grobe Zellstruktur wird Luft eingeschlossen und verhältnismäßig große Abstände entstehen. Dadurch können sich die Moleküle gegenseitig nicht so schnell erwärmen. Also man kann sagen: Je geringer die Wärmeleitfähigkeit eines Stoffes, umso besser die Dämmleistung. 

Ein bekannter Dämmstoff ist beispielsweise Styropor. Es hat eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit, weil es ein zellartiger Stoff mit eingeschlossener Luft ist. Sidenote: Genauso funktioniert auch die Daunenjacke! Nicht die Federn an sich halten dich warm, sondern die eingeschlossene Luft zwischen ihnen. Je mehr Federn reingestopft werden, desto mehr kleine Luftkammern bilden sich. Das Prinzip schützt dich im Winter vor Kälte, weil deine Körperwärme nicht nach draußen kann. Zumindest nicht so schnell. 

Stichwort Energieeffizienz: Wenn das Haus im Winter seine Daunenjacke trägt, dann kann die im Inneren erzeugte Wärme nicht so schnell raus. Wenn das Haus im Sommer seine Daunenjacke trägt, kann im Gegenzug die Hitze nicht so schnell rein. Das Haus hatte im Frühjahr genug Zeit um runter zu kühlen, diese Kühle bleibt dir durch die Dämmung im Sommer erhalten. Als Mensch funktioniert die Daunenjacke im Sommer nur deswegen nicht, weil deine eigene Körpertemperatur in der Jacke bleibt und sie verhindert, dass du transpirierst, also deine körperinterne Klimaanlage anwirfst. 

 

Frage: Inwiefern passen die Wärmepumpen von Heliotherm mit dem Konzept des nachhaltigen Bauens zusammen?

Ostermeier: Wärmepumpen und nachhaltiges Bauen gehen Hand in Hand. Sind quasi wie Bonnie und Clyde: Ein richtiges Power-Paar! Denn wenn ich die Erdwärme für mein Niedrigenergiehaus nutzen will, dann brauche ich eine Erdwärmepumpe. So kann ich die natürliche Wärme aus dem Erdreich richtig umwandeln und auf die gewünschte Temperatur regeln. Damit kann geheizt werden - ganz natürlich, kostengünstig und ressourcenschonend! Das funktioniert dann wie ein Kühlschrank – nur eben umgekehrt.

 

Vielen Dank für das Gespräch!