Mit dicken Flocken trieb Väterchen Frost dann auch die Letzten in ihre wohlig warmen Stuben, an die knisternden Kaminfeuer und unter die dicksten Wolldecken, die man stricken konnte. Ein toller Naturdämmstoff. Das wusste man auch schon anno dazumal. Wenn man etwas tat, waren es kleine Dinge und man versuchte sein Tagwerk, so gut es eben ging, zuhause zu verrichten. Der Bauer wetzte Pflug und Sichel rasiermesserscharf, der Bäcker sortierte unter der Wolldecke alle Brotkörner nach Größe und der Pfarrer entsann, Mangels Publikum, im Beichtstuhl farbenfrohe Sünden für sich selbst.

 

Der Briefträger.

Am schlimmsten aber traf es den Briefträger, der mit triefender Nase und tropfnassen Schuhen durch das Schneegestöber stapfte. Die Menschen mieden ihn und seinen Schnupfen, schlossen Tür und Tor, wenn sie ihn von Weitem husten hörten, und nahmen seine Briefe nur widerwillig entgegen. Und es war wohl nur der, mit wärmendem Heu ausgestopften Schuhe wegen, dass der Briefträger auch noch in jener hartnäckigen Dezembernacht durch den Neuschnee schnaufte, als er zwei Menschen schemenhaft im Fackelschein sah – wie eine heilige Erscheinung kam ihm das vor. Das konnte aber durch das rauchende Pech der Fackel bedingt sein. Dem Briefträger brannten die Augen von dieser Licht- und Wärmequelle. Da sackte eine der beiden Personen in den Schnee.

 

Das Kind.

Und so kam es, dass die junge Frau, die eben erst im Schnee zusammengesackt war, ein Kind gebar. Der Briefträger half der armen Frau und ihrem Begleiter in einen Bretterverschlag, der als Stall genutzt wurde. Hier standen ein Ochs, ein Esel und Ziegen, eine verlässliche Wärmequelle für den zugigen Raum. In diesen Zeiten lebten Mensch und Tier noch eng beieinander, um sich im Winter zu wärmen.

 

... Und wie es weiter geht mit Mensch, Tier und Wärmequelle erfährst du schon bald.